Es ist spannend, Jesus im Alltag zu erleben Jesus,
du Sehnsucht der Zeitalter,
du bist auch mein Jesus.
Wenn du mich in meiner Innenwelt berührst,
sanft,
zärtlich,
dann bekommt ein kleiner Augenblick
große Bedeutung.

Mein Jesus

Einige Menschen, die mir begegnet sind, haben den Namen Jesus so freundlich ausgesprochen und die Geschichten von ihm so innig erzählt, dass in mir eine positive „Jesus-Spur“ entstanden ist. Sie haben mich selbst auch wertschätzend und feinfühlig behandelt. Durch sie bekam der Name Jesus für mich einen guten Klang.

Mein Jesus ist aber nicht nur Geschichte, sondern auch Gegenwart. Die Freude über seine Nähe kann ich manchmal mit meinem Körper empfinden. „Mit Leib und Seele juble ich dem lebendigen Gott zu“ (Psalm 84, 3, NGÜ). Eine Art Jesus-Gefühl hat sich herausgebildet. Von diesem subjektiv gefühlten Jesus geht eine lebensbejahende Zärtlichkeit aus – und auf mich über. So ist in mir im Laufe der Jahre nicht nur ein warmherziges Gottesbild entstanden, sondern ich kann auch seinen Willen immer deutlicher in mir vernehmen. Es ist eine gute Sache, seinem Willen zu folgen. Ich erfahre Sinn, komme meinem eigenen inneren Wesenskern näher, werde von den Meinungen anderer unabhängiger und überhaupt im Leben zufriedener.

Manches, was mich heute in meinem Umgang mit dem Leben, mit mir selbst und mit anderen Menschen ausmacht, finde ich direkt bei Jesus. Einfühlung ist für mich eine wichtige Lebenshaltung geworden, die ich bei Jesus wahrnehme, wie er mir in der Bibel gegenübertritt. Übrigens richtete sich bei Jesus die Einfühlung nicht nur auf andere, sondern auch auf sich selbst. Im Neuen Testament findet man Spuren davon. „Meine Seele ist zu Tode betrübt“ (Markus 14, 34, NGÜ), sagt er zum Beispiel zu seinen engsten Vertrauten kurz vor seiner Verhaftung. Das spricht für eine gute Selbsteinfühlung. Er war in Kontakt mit seinem inneren Wesenskern, spürte seinen aktuellen Selbstzustand und kommunizierte ihn sogar nach außen. Auf diesen Weg der Selbstfürsorge habe ich mich auch gemacht.

Eine weitere Sache, die mir bei Jesus ins Auge fällt, ist seine offensichtliche Abhängigkeit von seinem Vater in der unsichtbaren Welt. Im Alten Testament – dem Teil der Bibel, mit dem Jesus lebte – wird ein Wesensmerkmal des Menschen, wie er von Gott konzipiert wurde, ja als „Hals“ oder „Kehle“ beschrieben – irrtümlicherweise gewöhnlich mit „Seele“ übersetzt. Um zu überleben, müssen wir ständig aufnehmen – Luft, Wasser, Nahrung, Aufmerksamkeit, Wertschätzung. Jesus hat das in seiner Beziehung zu seinem großen Gegenüber in der unsichtbaren Welt voll ausgelebt. Seit vielen Jahren bete ich häufig in Gedanken beim Einatmen Worte wie „Herr“ und beim Ausatmen so etwas wie „Erbarme dich!“. Das bringt mich in Verbindung mit meiner eigenen Verwundbarkeit und Abhängigkeit. Und es richtet mich aus auf den liebenden Gott. So kann man gleichzeitig selbstfürsorglich sein und sich nach dem liebenden Gott ausstrecken.

Jesus ließ sich häufig unterbrechen, wenn Menschen mit ihrem Verlangen nach Heilung oder geistlicher Hilfe seinen Weg kreuzten. In den letzten drei, vier Jahren wurde es für mich immer wichtiger, mich spontan auf Menschen einzulassen, die Gott mir unvermittelt in den Weg stellt oder mir nahe bringt. Ich fühle mit einem Mal einen sanften Impuls in meinem Herzen und gehe darauf ein. Es ist manchmal, als ob dann in diesem Zusammenhang eine Kraft durch einen hindurchfließt. In solchen intensiven Momenten, wenn Gott mich anrührt, lasse ich mich unterbrechen und versuche nur für einen Menschen da zu sein. Für eine Weile ist die Welt nur ein einziges Gesicht. Genau diese Art zu leben begegnet mir in vielen Geschichten von Jesus.

So wird mein Leben zu einem spirituellen Labor. Und Gefühle der Erfüllung und des Glücks stellen sich ein. Wenn Gott auf direkte Weise in mein Leben kommt, dann spüre ich so etwas wie eine zärtliche Berührung oder einen sanften Stempel, der einen kleinen Augenblick meines Lebens mit großer Bedeutung erfüllt.

Pastor Andreas Erben